Arbeiten in Zeiten digitaler Lehre - ein Plakat

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February 10, 2021 - 4:30pm

Critical Commentary

Im Rahmen des digitalen Propädeutikum im Wintersemester 2020/21 haben wir im ersten Semester Studierende uns mit der Thematik der digitalem Lehre auseinandergesetzt, welche uns zurzeit unmittelbar betrifft. Aufgrund der herrschenden Coronapandemie versucht jede*r von uns, eigene Praktiken  und Kompetenzen zu entwickeln, um den digitalen Studienalltag sowie Hürden und Probleme, die mit diesem einhergehen, zu bewältigen.  

Bei meinem ausgearbeiteten Projekt handelt es sich um ein Plakat, welches in erster Linie einen Arbeitsplatz abbildet. Bei näherer Betrachtung bietet dieser beispielhaft einen Einblick in den Studienalltag von Studierenden bzw. wie ich selbst diesen in Zeiten digitaler Lehre wahrnehme.  

Die vorherrschende Unübersichtlichkeit der Darstellung ist dabei nicht zufällig gewählt worden. Insbesondere für Erstsemesterstudierende, deren Studienerfahrungen sich bisher einzig und allein auf ein campusfernes Onlinesemester beschränken, bringt der Studienstart viele Fragen, Unsicherheiten und Unübersichtlichkeiten mit sich. Probleme, die unter normalen Umständen leicht geklärt bzw. gar nicht erst aufkommen würden, erschweren für viele den Start in das Uni-Leben. 

Des Weiteren habe ich versucht, einzelne Faktoren aus der Abbildung herauszuarbeiten und separat aufzuführen, um die Ursprünge der Schwierigkeiten oder Praktiken herauszufiltern. Dieser Faktorenkomplex lässt sich dabei verschiedenen Leitthemen unterordnen, welche jedoch nicht strikt voneinander zu trennen sind. 

Zu Voraussetzungen digitaler Lehre zählen sowohl eine für diese Zwecke geeignete Hardware als auch eine Verbindung zum Internet. Ohne diese Zugänge oder mit nur mangelhafter Funktion bleibt Menschen die digitale Lehre verwehrt bzw. können sie diese nicht in vollem Maße wahrnehmen.  

Auch wenn wir uns mit Digitalität beschäftigen, spielt der analoge Arbeitsplatz eine große Rolle. Ein eigener organisierter Arbeitsplatz gibt Raum für Produktivität, doch wird dies stark davon beeinflusst, dass Menschen sich zur Zeit so viel zuhause aufhalten wie nie zuvor. Das Trennen zwischen Studium und Freizeit bzw. Privatem fällt schwer. Ablenkung durch unruhige Lernumgebungen erschweren es zudem, sich zu fokussieren. Oftmals werden dadurch bewusst und unterbewusst analoge Praktiken entwickelt, die das Arbeiten erleichtern können: Texte werden ausgedruckt statt digital gelesen, Musik zur Konzentration wird gespielt und Lesetechniken werden angewandt, zwischen Seminaren werden Spaziergänge unternommen, Zeit, die sonst für Wege zur Uni genutzt wurde, kann nun Hobbies gewidmet werden. 

Wie bereits anfangs angedeutet wird die digitale Lehre von einem hohen Maß an Eigenverantwortung und eigene Problembewältigung geprägt. Dies setzt eigene Medienkompetenzen und digitale Praktiken voraus, da sowohl sozialer Kontakt, Studienplanung, Organisation und Informationsaustausch zwangsläufig mit dem Umgang mit digitalen Medien verbunden sind, ganz ähnlich wie auch dieses Projekt selbst. 

Obwohl man als Studierende*r vielleicht über diese Kompetenzen verfügt oder sie erlernt, verschwinden die Schwierigkeiten sozialer Isolation keineswegs. Kommiliton*innen kennen sich nur in geringem Maße, der Austausch geht selten über Studienthemen hinaus, oft fehlen Gesichter zu Namen und den ausgeschalteten Kameras und Mikros. 

Zuletzt sind aber auch die Faktoren, die die Coronapandemie mit sich bringt, nicht von der Hand zu weisen, da sie Auslöser uns somit im direkten Zusammenhang mit allen genannten Punkten stehen. Isolation, soziale und finanzielle Unsicherheit, zu leistende Care-Arbeit und eine allgemeine Ungewissheit über die Zukunft beeinflussen den Menschen und seine Psyche während von ihm gleiche Leistung und Adaption zur Situation verlangt wird. 

Dieses Projekt war für mich ein großer Teil von Selbstreflexion meiner bisherigen Studienerfahrung. Besonders die visualisierende Herangehensweise hilft mir persönlich beim Verständnis von Sachverhalten, was sowohl hier als auch in anderen Lernprozessen Anwendung findet. Das Projekt zuerst bildlich darzustellen und es folgend einordnen und in Worte fassen zu können, ließ mich im Detail und intensiv über Ursprünge von Alltagsrealitäten meinerseits und auch meiner Mitstudierenden nachdenken. Mir ist klar geworden, dass mein Bild digitaler Lehre deutlich eher negativ als positiv geprägt ist, dabei aber auch stark durch äußere Faktoren beeinflusst wird, welche nur indirekt etwas mit digitaler Lehre selbst zutun haben. Trotzdem bleibt auffällig, dass Studieren und Arbeiten in Zeiten digitaler Lehre viel Selbstdisziplin sowie Bedingungen voraussetzen, über welche nicht jede Person verfügt und somit problematischer Weise vom Studium ausgeschlossen wird.

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Eigenproduktion