Modul A - geisteswissenschaftliche Arbeitsformen im Digitalen

Diese Wissenseinheit widmet sich der Übertragung grundlegender geisteswissenschaftlicher Arbeitsformen ins Digitale. Dabei werden die einzelnen Arbeitsschritte und Prozesse des geisteswissenschaftlichen Arbeitens unter Verwendung von vorhandenen Tools und Softwarelösungen betrachtet.

1. ArbeitSFORMEN und Organisation

1.1 Digitale Literaturverwaltung (LESEN)

Im geisteswissenschaftlichen Alltag gehören Texte, Journals und Bücher zu den täglichen Arbeitsmitteln. Digitale Literaturverwaltungsprogramme helfen dabei, Literatur einzelnen Themen oder Arbeiten zuzuordnen und diese zu sortieren. Dadurch entsteht mit der Zeit eine persönliche bibliographische Sammlung. 

An der Universität Hamburg gibt es eine Campus Lizenz für Citavi und Endnote; beides ausführliche Literaturverwaltungsprogramme. Citavi ist für die Geisteswissenschaften aufgrund des "Wissenstools" und vielseitiger Annotationsmöglichkeiten der Quellen sehr hilfreich.

Weitere Programme für die Literaturverwaltung unterscheiden sich in den Anwendungsszenarien, dem nötigen Betriebssystem und Preis. An der Bibliothek Hamburg wurde hierfür ein Fragenkatalog zusammengestellt, der ein Nutzungsszenario schärft. 
Zu den Fragen    

Eine aktuelle Übersicht über gängige Literaturverwaltungsprogramme gibt es hier:

Kostenlose Programme:

JabRef  (Win, Linux & MacOS X)

Zotero (Win, Linux & MacOS X)

Mendeley (Win, Linux & MacOS X)

BibDesk (nur MacOS X)

Docear (Win, Linux & MacOS X)

Kostenpflichtige Programme:

Papers (nur MacOS X)

Bookends (nur MacOS X)

1.2 Ideen strukturieren und Zusammenhänge finden (Denken)

Zu Anfang eines jeden Vorhabens geht es um die Ideenfindung und die anschließende Weiterentwicklung und Schärfung dieser Gedanken. Zunächst groß und breit wird immer mehr präzesiert, und das Vorhaben auf die passende Idee und Fragestellung eingegrenzt. Für diesen ersten Prozess der Ideengenerierung - auch Brainstorming genannt - gibt es verschiedene Hilfsmittel.  

MindMapping

Eine gute Möglichkeit um Ideen, Gedanken und Impulse schnell zu strukturieren und visuell anzuordnen, bietet das MindMapping. Durch die visuelle Anordnung in der MindMapping-Technik können Ideen, Gedanken, Prozesse und Vorhaben einfach strukturiert werden. Diese Technik lässt sich für die wissenschaftliche Themenfindung, die Entwicklung von wissenschaftlichen Arbeiten, sowie für größere Projektplanung nutzen.
Hierfür gibt es zahlreiche Software-Angebote:

Die Universität Hamburg bietet für MindManager eine Lizenz an. Hierfür muss lediglich ein Studierendennachweis erbracht werden. Genauere Infos hierzu sind auf der Seite des Rechenzentrums zu finden. 

FreeMind ist ein kostenloses, plattformübergreifendes Mindmap-Programm.

MindMeister ist eine online MindMap. Im kostenlosen Modus sind bis zu drei einzelne Mindmaps möglich. Es besteht die Möglichkeit, die Mindmaps für eine kollaborative Onlinezusammenarbeit mit anderen Nutzern freizugeben. 

Text2MindMap ist eine webbasierte Lösung, um aus Texten und Listen automatisch Mindmaps zu erstellen. Die Mindmaps können anschließend als Bilder heruntergeladen werden.  

Scrapple ist eine kommerzielle Mindmapping-Software, die als eine alleinstehende Software genutzt werden kann oder in Ergänzung mit Scrivener als eine ganzheitliche Lösung für den Schreibprozess gesehen werden kann.   

Virtuelle Notizbücher und Journals

VoodooPad (kommerziele Software) ist ein eigenes privates Wiki. Hier können Inhalte und Medien miteinander durch Hyperlinks verbunden werden. Neben der Einbindung von unterschiedlichen Medien ist auch eine Verschlüsselung möglich.

An digitalem Ersatz für das Notizbuch oder Journal mangelt es nicht, und es gibt eine große Auswahl. Auf der Seite der Netzpiloten gbt es hierzu eine Übersicht.    

1.3 Digitale Texterstellung (SCHREIBEN)

Ein großer Teil der Geisteswissenschaftlichen Tättigkeit besteht im Schreiben von Texten. An dieser Stelle werden ein paar Alternativen zum bekanntesten Textbearbeitungsprogramm Microsoft Word vorgestellt.

Etherpad (online) ermöglicht das kollaborative Schreiben an einem Dokument zur gleichen Zeit.

LibreOffice (kostenlos, Win, Linux & Mac OSX) ist eine Open Source Alternative zu der Microsoft Office Suite.

Scrivener (kommerziell, Win & Mac OSX) ist ein Schreibprogramm, welches sich gut für das Schreiben von längeren Texten eignet. Die Ideensammlung, Grobfassung und Textstruktur eines Textes können unterschiedlich ausgebaut und visuell angeordnet werden.  

Manchmal braucht es einen einfachen und minimalistischen Texteditor, etwas das nur das Wesentliche im Fokus hat; das Schreiben.  

FokusWriter (kostenlos, open source, Win, Linux, Mac OSX)

2. ARBEIT MIT DigitaleN DATEN 

2.1. DATEN EXTRAKTION

Kommentare, Posts, Tweets, Bilder, Videos oder ganze Webseiten - wie können diese Daten erforscht werden? Welche Schritte sind nötig, um mit digitalen Daten zu arbeiten? In diesem Abschnitt geht es um das Exrahieren von unterschiedlichen Datenformaten. 

2.1.1 Extraktion von Webseiten und Bildern

Das Sammeln und Herunterladen von Bildern kann natürlich in manueller Art durch einen Rechtsklick im Browser und "Speichern unter" gemacht werden; bei einer größeren Anzahl von Bildern ist dies jedoch ein zeitaufwendiges Unterfangen. 
Hierfür eignet sich das sogenannt "Web Scraping". Hiermit sind Programme gemeint, die automatisch Daten suchen, sortieren und herunterladen. In Open Source Projekten wird hierzu meist auf Programmierumgebungen, die auf Python (eine Programmiersprache) basieren, zurückgegriffen. Für die Einrichtung eines solchen Tools werden zum Teil rudimentäre Programmierkenntnissen gefragt. Eine Vielzahl von Tutorials erleichtern den Zugang hierzu jedoch immens.

scrapy

pyspider

MechanicalSoup

Für kleinere Projekte eignen sich auch kommerzielle Softwareangebote mit limitierten Datensätzen bzw. Suchvorgängen. 

Parsehub (kommerziell)

Ein Tutorial für den Bilderdownload mit Parsehub gibt es hier.

Octoparse (kommerziell)

2.1.2 Extraktion und Analyse von Tweets


TAGS ist eine einfache Umgebung für den Download und die Analyse von Tweets. Die Archive werden mit Hilfe von Google-Sheets archiviert und laufen im Hintergrund weiter. Es sind keine Progammierkenntnisse notwenig. Darüber hinaus gibt das Tool eine oberflächliche Analyse- und Visualisierungsmöglichkeit. 

2.1.3 Extraktion und Speicherung von Videos

YouTube-DL ist eine gut dokumentierte Möglichkeit, um Online-Videos von unterschiedlichen Quellen zu speichern. 

2.2. DATEN ANALYSE

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um mit Mediadaten zu forschen. Bei qualitativen Methoden ist die textuelle Beschreibung der Daten meistens notwendig. Dies passiert beispielsweise durch eine Transkription der Daten, welche anschließend annotiert und mit Hilfe von QDA Software analysiert werden kann. 

2.2.1 Transkription

Easytranscript ist eine kostenlose Software zum Transkribieren für alle Platformen.

Parlatype ist ein minimalistischer Audioplayer, der auf die Nutzung zum Transkribieren optimiert ist.  

oTranscribe ist ein einfaches Online-Tool für das Transkribieren von Audio- und Videodaten.

2.2.2 Annotation und Qualitative Analyse Software

Exmaralda bietet mehrere Softwaretools für die Annotation, Verwaltung und Analyse der gesprochenen Sprache.

Anvil hat den Fokus auf die Annotation von Bewegtbildinhalten (kostenlos).

hypothes.is ist ein Online-Annotationstool, welches sich für das kollaborative Arbeiten eignet.

INCEpTION ist eine Open Source Annotationsumgebung, die auch eine Onlinezusammenarbeit ermöglicht.

Transana ist eine umfangreiche Software für Annotation, Transkription und Analyse (kommerziell).

MAXQDA ist eine umfangreiche Qualitative Datenanalyse-Software mit zahlreichen Möglichkeiten der Analyse von unterschiedlichen Medienformaten. Zusätzlich bietet sie zahlreiche Codierungs- und Memomöglichkeiten, um mit den Daten zu arbeiten. Durch die Universität Hamburg kann eine zeitlich begrenzte, kostenlose Lizenz bezogen werden

Atlas.ti ist ebenfalls eine umfangreiche, Qualitative Analyse-Software. Unter anderem können hier Socialmedia-Daten direkt durch die Software extrahiert werden (kommerziell).

Nvivo ist eine weitere, weit verbreitete Alternative im Bereich der QDA Software (kommerziell).

2.2.3 Systematisierung und Archivierung von Bildmaterial

Für die wissenschaftliche Arbeit mit Bildmaterial gibt es Herausforderungen im Bezug auf das Sortieren, Umbennen, Systematisieren und der Betrachtung von vielen visuellen Inhalten. Tropy ist eine Open Source Software und kostenlose Umgebung, um Bilder, Fotographien und Grafiken nach eigenen Vorstellugen zu systematisieren und zu annotieren.

 

2.2.4 Analyse von digitalen Texten

Voyant ist ein Online Tool, das mehrere Möglichkeiten für eine erste, explorative Auseinandersetzung mit Textteilen bietet. Es funktioniert sowohl mit Textauszügen und ganzen Webseiten, als auch mit hochgeladenen Dokumenten.

Orange ist ein Open Source Softwarepaket für Datenvisualisierungen und Maschinelles lernen. Es eignet sich ebenfalls zur Analyse von Texten.

Tapor ist ein Projekt des Arts Resource Centre der Unversität von Alberta, welches über die Jahre eine umfangreiche Zusammenstellung von Analysetools für die Arbeit mit Texten anbietet.  

3. ErgeBnis-Präsentation

3.1 Digitale Ausstellungsmöglichkeiten

Durch die hybriden Anforderungen der letzten Monate und den wachsenden digitalen Möglichkeiten können Forschungen, Ergebnisse, Narrationen und weitere digitale Artefakte in Form von digitalen Ergebnisspräsentationen und Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden, welche dadurch zur Diskussion eingeladen wird. Neben einer größeren Reichweite birgt auch die zeitliche Unabhängigkeit im Digitalen Raum eine wachsende Attraktivät.

Hierzu gibt es mehrere Platformen, Umgebungen und Anwendungen, um komplexe, visuelle und vielfältige Informationen auf eine zugängliche Art zu präsentieren:

Scalar is eine online Open Source Plattform zur Veröffentlichung von crossmedialen Inhalten. Neben einer Vielzahl von Medien wird auch eine non-lineare Erzählweise und -struktur unterstüzt.  

Artsteps kann für die Erstellung von Virtual Reality Ausstellungsformaten verwendet werden. 

Collectiveaccess ist eine Open Source Katalogsoftware für visuelle Medien. 

Für größere Sammlungen von digitalen Medien und digitalen Artefakten eignet sich Omeka.

Die ursprüngliche Blog-Software Wordpress gehört mittlerweile zu den beliebtesten Content Management Systemen im Internet. Vor allem durch eine Vielzahl von Oberflächendesigns (Themes) und Funktionserweiterungen (Plug-ins) ist es möglich, für jedes Szenario die richtige Webpräsenz zu erstellen. Wordpress.com bietet eine kostenlose Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit eine Webseite anzulegen. Das Design sowie die Funktionswiese von Erweiterungen sind stark eingeschränkt. Für kleinere Projekte, bzw. für eine einfache Darstellung ist es eine schnelle und unkomplizierte Lösung. Für den gesamten Funktionsumfang von Wordpress muss es als CMS auf einem eigenem Webserver installiert werden. Das kostenlose Installationspaket gibt es unter: Wordpress.org

Im digitalen Bereich trifft man oft auf Github - als ein Repositorium für Software und deren Entwicklungsprozesse. Hier lassen sich bestimmte Inhalte, Anwendungen oder Entwicklungen (Code) sehr schnell mit der Öffentlichkeit und der Community teilen. Github wird längst auch für andere Inhalte genutzt und kann in manchen Szenarien eine interessante Präsentationsform bieten. Hier findet sich ein Tutorial zum Aufsetzen einer Github Webseite. 

3.2 Digitales Storytelling

Bei der Präsentation von Forschungsergebnissen gilt es auch ein fachfremdes Publikum zu erreichen und damit die Öffentlichkeit an einem Diskurs teilnehmen zu lassen. Dabei sollen Menschen abgeholt und bestenfalls für ein Thema begeistert werden. Um dies zu erreichen, kann das sogenannte Storytelling genutzt werden, das ein spezifisches Thema interessanter gestaltet. Ebenso liegt es in Kombination mit virtuellen Ausstellungen nahe, Storytelling als Prozess des Erzählens aktiv anzuwenden. 
Das Team von Hackastory hat hierzu eine Auswahl von Tools für die eigene Digital Story zusammengestellt.  

Weitere Module:

Modul B Spezifisches Wissen über Arbeitsformen und -prinzipien im Digitalen 

Modul C Kleine digitale Werkstücke

Modul D kritische Reflexionen zum digitalen Arbeiten.

Feedback

Haben Sie Änderungsvorschläge oder Ergänzungen zu den hier angebotenen Quellen, Tutorials oder dem hier angebotenem Material? Dann schreiben Sie bitte an:

roman.knipping-sorokin@uni-hamburg.de